Krieg und Terror - In der Hölle Syriens

Krieg und Terror – In der Hölle Syriens | Kurzkritik & Oscar-Chancen

Krieg und Terror – In der Hölle Syriens versucht, den Aufstieg des sogenannten Islamischen Staates verständlich zu erklären. Ob das gelingt, lest ihr hier.

Kurzkritik zu Krieg und Terror – In der Hölle Syriens:

In Krieg und Terror – In der Hölle Syriens zeigen die Dokumentarfilmer Sebastian Junger und Nick Quested, wie der Arabische Frühling, der als hoffnungsvolle demokratische Bewegung begann, in Syrien zur Katastrophe führt und den Weg für Terroristen ebnet.

Es beginnt im Jahr 2011. Ob in Tunesien, Libyen oder Ägypten: Autokratische Herrscher fallen in dieser Zeit wie Dominosteine. Syriens Staatspräsident Bashar Al-Assad möchte dieses Schicksal gerne umgehen und das Volk mit Waffengewalt zum Schweigen bringen. Die Dokumentation Krieg und Terror – In der Hölle Syriens steckt voller Aha-Momente. Wieso bombadiert Assad seine eigene Bevölkerung? Aha! Deshalb! Und warum konnte der sogenannte Islamische Staat in Syrien so stark an Macht gewinnen? Aha! Darum!

Wie gute Figuren in einem Drama handelt auch hier jeder Akteur nachvollziehbar, was die Dokumentation auch so verlockend macht. Probleme entstehen allerdings dort, wo wichtige Sachverhalte unter den Teppich fallen und die handelnden Parteien in viel zu simple Gut-Böse-Schemata gezwängt werden. Ja, Assad hat Menschenrechte verletzt und das muss zur Sprache kommen. Aber nicht indem süße, fünfjährige Kinder in die Kamera blicken und sagen, wie sehr sie ihn hassen. Die Dokumentation erzeugt den Eindruck, dass die gesamte syrische Bevölkerung Assad stürzen möchte. Dass jedoch die Opposition Menschenrechte auch nicht so ernst nimmt, erfahren wir hier nicht. Ebenso wenig hören wir nichts von den Unterstützern der syrischen Regierung. Vor allem religiöse Minderheiten fürchten sich vor politischer Verfolgung und wünschen sich teilweise den streng säkulären Staat unter der Führung Assads zurück.

Krieg und Terror – In der Hölle Syriens ist durchaus informativ, doch 100 Minuten reichen nicht aus, um einen solch komplexen Konflikt vollständig zu analysieren. Was in der knapp bemessenen Zeit an Inhalten vermittelt wird, ist zwar hochinteressant, aber einseitig. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema kann die Dokumentation somit nicht ersetzen, für Einsteiger ist sie aber dennoch sehenswert.

Bildrechte: obs/National Geographic/Carsten Stormer


Oscar-Chancen von Krieg und Terror – In der Hölle Syriens:

Krieg und Terror – In der Hölle Syriens ist eine von drei großen Syriendokus in diesem Jahr. Die anderen beiden sind Cries from Syria und Die letzten Männer von Aleppo. Alle drei kommen bei Rotten Tomatoes auf 100 Prozent, sind also bei den Kritikern gleichermaßen beliebt. Aufgrund der ähnlichen Qualität und Thematik, könnte das dafür sorgen, dass sich die Stimmen verteilen und am Ende keine davon nominiert wird. Für Krieg und Terror – In der Hölle Syriens spricht, dass das National Board of Review den Film unter die Top 5 Dokumentarfilme des Jahres gewählt hat. Doch die Kontrahenten haben etwas mehr vorzuweisen:

Die letzten Männer von Aleppo hat den Sundance Grand Jury Prize für den Besten Dokumentarfilm erhalten. Bei den Critics Choice Documentary Awards bekommt die Reportage im Januar außerdem den Preis für die innovativste Dokumentation. Dort wird sich Cries from Syria-Regisseur Evgeny Afineevsky die Trophäe für die Beste Regie abholen. Sein Film ist darüber hinaus bei den Producer Guild Awards als Bester Dokumentarfilm nominiert. Diese Ehrungen wiegen meiner Einschätzung nach ein wenig mehr als die Top 5 des National Board of Review. Deshalb halte ich Krieg und Terror unter den drei Wettbewerbern für das Schlusslicht beim Rennen um den Dokumentarfilm-Oscar.

=> Infos & Handlung zu Krieg und Terror – In der Hölle Syriens

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