Caesar in Planet der Affen Survival

Planet der Affen: Survival | Kritik & Oscar-Chancen

Ich glaub‘, mich laust der Affe! Planet der Affen: Survival ist der beste Abschluss einer Trilogie seit Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs. Warum, lest ihr hier.

Finale dritte Teile von großen Kinosagen hinterlassen oft einen faden Beigeschmack. Die Rückkehr der Jedi-Ritter ist für die meisten Star Wars-Anhänger der schwächste Teil der Original-Trilogie und auch Christopher Nolans The Dark Knight Rises ließ viele Fans der Vorgänger enttäuscht aus den Kinos wandern. Selbst Francis Ford Coppola konnte mit Der Pate 3 nicht ganz an die Brillanz seiner beiden vorherigen Meisterwerke heranreichen. Es zählt wohl zu den schwierigeren Aufgaben des Filmhandwerks, einer Trilogie einen gelungenen Abschluss zu verleihen.

Dieser Herausforderung stellt sich auch Matt Reeves in Planet der Affen: Survival. Dem Finale einer Trilogie, die ich seit Ankündigung nie ernst genommen hatte, bis ich sie erst dieses Jahr nachholte. Bei Planet der Affen: Prevolution dachte ich mir: „Wie soll denn ein Film, bei dem Affen die Welt erobern, heutzutage noch funktionieren?“ Und siehe da, er hat funktioniert. Bei Planet der Affen: Revolution hielt es für undenkbar, dass mich die Fortführung der Geschichte erneut begeistern könne. Und siehe da, sie hat mich begeistert. Aber von diesen beiden Einzelfällen ließ ich mich nicht beirren. Eine Trilogie zu vollenden ist schließlich ein ganz anderes Kaliber. Deshalb konnte ich von Planet der Affen: Survival nicht erwarten, seine Vorgänger zu übertreffen. Und siehe da, er hat seine Vorgänger übertroffen.

Virtuelle Lebewesen

Ich kann einfach nicht glauben, wie menschlich und real computergenerierte Affen wirken können. Schlechtes CGI ist Gift für einen Film, es reißt einen aus der Immersion, in dem es einem Dinge als real verkaufen will, die ganz offensichtlich in einer virtuellen Umgebung entstanden sind. Bei Planet der Affen tritt fast der gegenteilige Effekt ein: So sehr ich mir auch einrede, dass Caesar und Co. nur animierte Wesen sind, ich kann es nicht wahrhaben. Schon genug, dass die Primaten in ihren Bewegungen von den echten Tieren kaum zu unterscheiden sind. Doch es sind die Augen dieser fantastischen Geschöpfe, die mich davon überzeugen, dass in dem komplexen Geflecht aus Einsen und Nullen so etwas wie eine Seele steckt.

Caesar in Planet der Affen: Survival
Der Krieg hat Caesar schwer gezeichnet

Von der unbeschwerten Kindheit, über die traumatische Jugend, dem gescheiterten Versuch der Versöhnung mit den Menschen, bis hin zur immer noch schwelgenden Hoffnung auf Frieden. Ein Blick in die Augen des Affenanführers Caesar enthält all diese Erinnerungen. Von oberflächlichen Impulsen bis hin zu tief verborgenen Sehnsüchten, all das entfaltet sich in der gequälten Mimik des Menschenaffen.

Dieses magische Erlebnis ist das Produkt einer Kombination aus bahnbrechenden visuellen Effekten und der nicht zu unterschätzenden Arbeit von Schauspielern, die mittels Motion-Capture-Verfahren ihre Bewegungen auf die animierten Affen übertragen. Allen voran Andy Serkis, der auch schon Gollum in Der Herr der Ringe verkörperte, zeigt hier erneut, welch enorme Bandbreite an Emotionen er einem virtuellen Wesen einhauchen kann. Ich würde mir wünschen, dass der „Master of Motion-Capturing“ auch von der Academy mal die Aufmerksamkeit bekäme, die er verdient.

Postkarten-Panoramen und archaisches Affengebrüll

Logischerweise sind die titelgebenden Primaten die Hauptattraktion von Planet der Affen: Survival. Doch es gibt noch mehr zu bestaunen als die Unmengen an behaarten Körpern, die über die Leinwand wuseln. Es scheint, als haben Matt Reeves und Kameramann Michael Seresin, die bereits beim zweiten Teil der Trilogie zusammen für die Bildgestaltung sorgten, diesmal besonders viel Wert auf das Drumherum gelegt. Während der dichte Dschungel und die kompakte Beton-Bastion der Menschen im direkten Vorgänger relativ wenig Spielraum für bombastische Bilder boten, bekommen wir nun abwechslungsreiche Szenerien und weitläufige Supertotalen mit Wow-Effekt. Wenn ein kleiner Trupp von Affen im Sonnenuntergang einen Strand entlang reitet oder uns im tiefsten Schneegestöber ein blühender Kirschbaum erwartet, sorgt das für optische Magic Moments, die uns die Vorgänger in dieser Intensität nicht bieten konnten.

Planet der Affen: Survival
Affen, die auf Pferden reiten, sieht man auch nicht alle Tage

Neben all dem visuellen Spektakel, weiß Planet der Affen: Survival auch auf der Klangebene zu überzeugen. Hier mischen sich die authentischen Angriffsschreie der Affen mit atmosphärischer Kriegskulisse und dem abwechslungsreichen Score von Michael Giacchino, der die Kämpfe mit Trommeldonner und röhrenden Hörnern unterstreicht, während er in ruhigen Momenten sanfte Klaviertöne anschlägt.

Affenstarkes Finale trotz kleiner Makel

Ich möchte hier nicht in bloße Lobhudelei verfallen und Planet der Affen: Survival besser machen, als er ist. Zum Meisterwerk fehlt noch ein gutes Stück, denn dafür war die Geschichte einfach zu konventionell erzählt und bot wie die meisten Blockbuster den ein oder anderen unglaubwürdigen Moment. Zudem führt der Film einen neuen Affencharakter ein, der als humorischer Sidekick dienen soll, aber eher auf den Spuren eines Jar-Jar-Binks wandert, als den Film tatsächlich zu bereichern.

Nichtsdestotrotz ist Planet der Affen für mich die Trilogie der übertroffenen Erwartungen. Sei es emotional, inszenatorisch, dramaturgisch, akustisch, visuell oder schauspielerisch. Wie eine Horde Affen beim Angriff auf eine Bananenplantage, haben mich alle drei Filme im Sturm erobert. Planet der Affen: Survival ist der krönende Abschluss einer Trilogie, der ich nie zugetraut hätte, mich in irgendeiner Form emotional zu bewegen, geschweige denn über durchschnittliches Blockbuster-Niveau hinauszuwachsen. Doch wie habe ich mich geirrt! Selten war eine Trilogie so rund, ein Finale so zufriedenstellend, ein Affe so menschlich. Für mich ist Planet der Affen: Survival der gelungenste Abschluss einer Trilogie seit Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs. Vale, Caesar! Ich verneige mich vor deiner Größe.

 Bilder: Planet der Affen: Survival © 20th Century Fox


Oscar-Chancen:

So sehr ich Andy Serkis eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller gönnen würde, glaube ich leider nicht, dass es soweit kommt. Dafür könnte Planet der Affen: Survival in den technischen Kategorien ein paar Nominierungen einfahren. Ton und Tonschnitt sind definitiv auf sehr hohen Niveau. Ob es reicht um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, wird sich zeigen. Beim Blick auf die Vergangenheit, lässt sich zumindest eine Nominierung mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Wie seine beiden Vorgänger Planet der Affen: Prevolution und Planet der Affen: Revolution wird wohl auch Planet der Affen: Survival in der Kategorie Beste Visuelle Effekte nominiert werden. Als finaler Abschluss der Trilogie, wäre es zudem die perfekte (und auch letzte) Chance, den Affen-Animateuren endlich einen Oscar zu verleihen.

=> Infos & Handlung zu Planet der Affen: Survival

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