Oscar-Nominierungen 2018 - Meine Vorhersagen - Teil 1/3

Oscar-Nominierungen 2018 – Meine Vorhersagen – Teil 1/3

Die Oscar-Nominierungen 2018 werden bald bekanntgegeben. Hier findet ihr meine Prognose für die Kategorien Bester animierter Spielfilm, Bester fremdsprachiger Film, Bester Dokumentarfilm sowie für die Musik- und Kurzfilm-Kategorien.

Lange habe ich auf diesen Moment gewartet und bald ist es soweit. Am Dienstag, dem 23.01.2018 um 14:22 Uhr gibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Nominierungen für die 90. Oscar-Verleihung bekannt. Für mich wird es jetzt ernst, schließlich besteht das ganze Konzept meines Blogs darin, die Oscars vorherzusagen. In den vergangenen Tagen habe ich mich also intensiver als sonst mit den einzelnen Kategorien beschäftigt und bin nun bereit, meine finalen Tipps für die Oscar-Nominierungen 2018 abzugeben.

Unten findet ihr den ersten Teil meiner Vorhersagen zu den Oscar-Nominierungen 2018 inklusive jeweiliger Begründung. Für den Anfang konzentriere ich mich auf die beiden Musik-Kategorien sowie auf den Besten animierten Spielfilm, Besten Dokumentarfilm und Besten fremdsprachiger Film. Außerdem gibt es meine Prognose zu den drei Kurzfilm-Wettbewerben. Morgen folgen dann die Vorhersagen zu den technischen Disziplinen, bevor ich mich am Montag den Hauptkategorien widme.

Oscar-Nominierungen 2018 – Meine Vorhersagen

Beste Filmmusik

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Der seidene Faden
Dunkirk
Die Verlegerin
Die dunkelste Stunde

Shape of Water-Komponist Alexandre Desplat dürfte mit dem Golden Globe und dem Critics‘ Choice Awards in der Tasche als Favorit ins Rennen gehen. Dahinter sortieren sich Jonny Greenwood mit Der seidene Faden und Hans Zimmer mit Dunkirk, die in der Awards-Saison diese Kategorie mitbeherrscht haben. John Williams ist die Meryl Streep der Komponisten. Bei den Oscars ist er einfach Dauergast und mit Die Verlegerin liefert er wieder gewohnte Qualität ab. Kein Grund also, ihn nicht zu nominieren. So weit, so gut.

Platz Fünf ist hingegen etwas schwerer. Hier gibt es sehr viele Kandidaten auf ähnlichem Niveau, die dafür in Frage kommen. Bei den Golden Globes war zum Beispiel Carter Burwell mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri dabei. Allerdings war der Hollywood Foreign Press deutlich anzumerken, dass sie eine besondere Sympathie für den Film als Gesamtwerk hat, wovon wohl auch die Musik profitiert hat. Ich entscheide mich deshalb lieber für Dario Marianelli. Der hat für Die dunkelste Stunde immerhin eine BAFTA-Nominierung sowie eine Critics‘ Choice-Nominierung bekommen.

Bester Song

„Remember Me“, Coco – Lebendiger als das Leben!
„Stand Up for Something“, Marshall
„This Is Me“, Greatest Showman
„Mighty River“, Mudbound
„Mystery of Love“, Call Me by Your Name

Diese Kategorie ist etwas knifflig, da es bis auf die Golden Globes keine nennenswerte Auszeichnungen gibt, die Hinweise liefern. Gerade auf die Globes ist aber nicht immer Verlass, da die Wählerschaft sich sehr stark von der Academy unterscheidet. Der einzige Song, für den ich meine Hand ins Feuer legen würde, ist „Remember Me“. Mein ganz klarer Favorit und wohl der Song, der im vergangenen Kinojahr die meisten Menschen zum Weinen gebracht hat.

„This Is Me“ ist als Golden Globe-Gewinner auch kein schlechter Kandidat und „Stand Up for Something“ passt gut zur derzeitigen „Time’s Up“-Mentalität in Hollywood. Nun wird es aber auch schon etwas schwerer. „Mighty River“ ist eine universelle Ballade über Liebe statt Hass und führt Mudbound zu einem gelungenen Abschluss. Bei den Globes war der Song auch dabei, weshalb ich ihn mit in die Top Fünf nehme.

Für den letzten Platz gibt es reichlich Auswahl. Vor einigen Wochen hätte ich „Prayers for This World“ aus dem Dokumentarfilm Cries from Syria in die Liste aufgenommen. Darin singt Cher zusammen mit Kindern für Frieden auf der Welt. Allerdings hat es Cries from Syria nicht mal auf die Shortlist für den Besten Dokumentarfilm geschafft, weshalb ich nun daran zweifele. „Evermore“ aus Die Schöne und das Biest könnte ich mir auch gut vorstellen, doch in Sachen Musical hat Greatest Showman einiges mehr zu bieten. Detroit hätte auf jeden Fall eine Oscar-Nennung verdient, sei es auch nur für „It Ain’t Fair“ als Bester Song. Doch mit Marshall gibt es auch hier eine thematisch ähnliche Alternative mit höheren Chancen.

Ich habe mich letztenendes für „Mystery of Love“ entschieden. Ein Song, der sich stilistisch etwas von typischen Oscar-Liedern unterscheidet, aber gerade dadurch sich diesen Außenseiterplatz schnappen könnte. Schließlich wird Call Me by Your Name von vielen geliebt und der Song scheint die Essenz des Films sehr gut auszudrücken.

Bester animierter Spielfilm

Coco – Lebendiger als das Leben!
The Breadwinner
Loving Vincent
Ferdinand: Geht STIERisch ab!
The LEGO Batman Movie

Aufgrund einer Regeländerung ist diese Kategorie recht schwer vorherzusagen. Bis letztes Jahr hat nur der Animationszweig der Academy die Nominierungen bestimmt. Nun dürfen zum ersten Mal alle Mitglieder wählen, vorausgesetzt sie haben eine ausreichende Zahl der Kandidaten gesehen. Manche befürchten, dass kleine Filme nun keine Aufmerksamkeit mehr erhalten und stattdessen nur noch große 3D-animierte Mainstream-Produktionen den Weg zu den Oscars finden. Wissen kann das aber noch niemand, im Grunde ist also alles möglich.

Naja, nicht alles. Coco ist dabei, das bedarf keiner Diskussion. The Breadwinner, dem dritten Film von Cartoon Saloon, räume ich auch gute Karten ein. Schließlich holten sich die beiden vorherigen Werke des Animationsstudios ebenfalls eine Oscar-Nominierung. Sollte The Breadwinner es nun nicht schaffen, wäre es ein deutliches Zeichen dafür, dass das neue Regelwerk in der Tat kleinen Filmen schadet. Ebenfalls relativ sicher dabei sein dürfte Loving Vincent. Als erster animierter Spielfilm, der komplett aus Ölgemälden besteht, ist er einfach etwas ganz Besonderes.

Für die beiden verbleibenden Plätze stellt sich nur noch die Frage, welche der großen Mainstream-Filme am ehesten überzeugen konnte. The Boss Baby halte ich für eine Möglichkeit, allerdings sehe ich zwei andere Kandidaten knapp davor. Ferdinand basiert auf einem in den USA sehr beliebten Kinderbuchklassiker und hat den Vorteil erst Ende 2017 in die Kinos gekommen zu sein. Er dürfte also noch recht präsent in den Köpfen der Wähler wirken. The LEGO Movie von 2014 hat es damals überraschenderweise nicht zu den Oscars geschafft. Ich denke jedoch, dass The LEGO Batman Movie durchaus einige Fans in der Academy hat, die diesmal sicher stellen werden, dass es die dänischen Bauklötzchen zu den Oscars schaffen. Da Coco sowieso den Großteil der Stimmen holen wird, dürften den anderen Filmen schon kleine Fangemeinden reichen, um eine Nominierung zu bekommen.

Bester Dokumentarfilm

Jane
Faces Places
City of Ghosts
Long Strange Trip
Ikarus

Die beiden Favoriten dürften wohl Jane und Faces Places sein. Jane ist ein Porträt der berühmten Affenforscherin Jane Goodall und bekam sowohl den Critics‘ Choice- als auch den New York Film Critics Circle-Award als Bester Dokumentarfilm. Faces Places konnte dafür die Filmkritiker aus Los Angeles und das National Board of Review überzeugen.

Die letzten Männer von Aleppo und City of Ghosts sind beides Dokumentationen über den Syrien-Konflikt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zumindest eine von beiden eine Nominierung erhält. Von den Kritiken her sind beide ungefähr gleichauf. Allerdings hat City of Ghosts deutlich mehr Rezensionen, weshalb ich davon ausgehe, dass ihn auch mehr Leute gesehen haben. Deshalb rate ich hier einfach und nehme City of Ghosts. Es würde mich aber nicht wundern, wenn stattdessen Die letzten Männer von Aleppo dabei ist.

Für meinen nächsten Tipp vertraue ich darauf, dass sich unter den Wählern ausreichend Deadheads befinden, um die überragende Grateful-Dead-Dokumentation Long Strange Trip in die Top Fünf zu befördern. Auch der Doping-Doku Ikarus, die fast schon einem Thriller ähnelt, räume ich gute Chancen ein.

Bester fremdsprachiger Film

Foxtrot (Israel)
Eine fantastische Frau (Chile)
Deutschland (Aus dem Nichts)
The Square (Schweden)
Russland (Loveless)

Eine schöne Kategorie. Warum? Weil es nur noch neun Filme gibt, die überhaupt nominiert werden können. Es ist also rechnerisch gar nicht möglich, dass alle meine fünf Vorhersagen falsch sind. Die Filme, die ich gewählt habe, sind vor allem die, von denen ich bereits im Vorfeld der Oscars immer wieder gehört habe.

Foxtrot wurde von den New Yorker Filmkritikern zum Besten fremdsprachigen Film gewählt, Loveless von denen aus Los Angeles. Eine fantastische Frau ist einer der ersten Filme (zumindest in meiner Wahrnehmung), der uns eine Transfrau als vielschichtige und ernstzunehmende Protagonistin präsentiert. Gerade aufgrund dieser Thematik, dürfte der Film bei den Oscars eine Rolle spielen.

Als deutscher Kandidat ist Aus dem Nichts im Rennen. Als Gewinner der Golden Globes und des Critics‘ Choice Awards als Bester fremdsprachiger Film sollte eine Oscar-Nominierung drin sein. Mit dem Sieg der Goldenen Palme in Cannes sorgte The Square letztes Jahr für eine Überraschung. Für die schwedische Sozialsatire ist eine Oscar-Nominierung also ebenfalls recht wahrscheinlich. Einzig und allein bei Loveless bin ich mir unsicher. Eine Alternative wäre The Insult aus dem Libanon, der bei den Filmfestspielen von Venedig für Aufsehen sorgte.

Bester animierter Kurzfilm

Dear Basketball
In a Heartbeat
Lou
Cradle
Negative Space

Juhuu, der Moment, auf den ihr alle gewartet habt: Die Kurzfilm-Kategorien! Naja, ihr denkt es euch sicher: Besonders einfach sind die nicht vorherzusagen, da sie in der medialen Berichterstattung kaum eine Rolle spielen. Dennoch glaube ich, dass ich genug davon gesehen habe, um auch hier ganz gut abzuschneiden.

Die ersten vier sind für mich sogar ziemlich sichere Kandidaten. Dear Basketball ist ein verfilmtes Gedicht von NBA-Star Kobe Bryant mit der Musik von John Williams. In a Heartbeat ist auf YouTube viral gegangen und hat vor allem die Herzen der LGBTQ-Community im Sturm erobert. Lou ist der obligatorische Pixar-Kandidat und Cradle erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der im Krieg beide Unterarme verlor und nun wieder in die Rolle eines Familienvaters hineinwachsen muss.

Bei Platz Fünf habe ich zwischen zwei Filmen überlegt. Fox and the Whale hat einen unfassbar schönen Zeichenstil, doch so ganz wurde ich aus der Geschichte nicht schlau. Ich habe mich stattdessen für die Stop-Motion-Animation Negative Space entschieden, die etwas charmanter und stringenter daherkommt.

Bester Dokumentar-Kurzfilm

Heroine
Alone
Edith+Eddie
116 Cameras
Zehn-Meter-Turm

Die beiden Favoriten hier sind für mich Heroine und Alone. Die Netflix-Dokumentation Heroine geht mit satten 39 Minuten gerade noch so als Kurzfilm durch und hat vielleicht auch deshalb den größten Eindruck bei mir hinterlassen. Es geht darin um drei Frauen, die sich in ihrer Gemeinde auf unterschiedliche Art und Weise um Heroin-Junkies kümmern. Alone ist für eine Dokumentation sehr ungewöhnlich. Doch die Geschichte um eine Frau, die ihren Mann im Gefängnis heiraten will, ist künstlerisch sehr ansprechend und emotional erzählt. Edith+Eddie dreht sich um zwei über 90-Jährige, die frisch verheiratet sind, aber aufgrund von Familienstreitigkeiten auseinander getrieben werden. Alle drei Kandidaten halte ich für recht sichere Tipps.

Danach wird es schon schwerer. 116 Cameras beschäftigt sich mit einem Projekt, in dem eine Holocaust-Überlebende von 116 Kameras gefilmt wird, während sie von ihrer düsteren Vergangenheit berichtet. Zukünftige Generationen sollen dann in der Lage sein, mit einem 3D-Modell der Frau zu interagieren. Knife Skills, eine Dokumentation über die Eröffnung eines Restaurants, in dem nur Ex-Häftlinge arbeiten, wäre wohl auch eine solide Wahl. Ich hoffe allerdings, dass die Academy eher einen ungewöhnlich minimalistischen Film wählt. Ich tippe daher auf meinen persönlichen Favoriten Zehn-Meter-Turm. Darin geht es einfach nur um Menschen, die auf dem Zehn-Meter-Turm stehen und sich mal trauen, mal nicht trauen, herunterzuspringen. Einfach, aber genial.

Bester Kurzfilm

DeKalb Elementary
Watu Wote: All of Us
Facing Mecca
The Silent Child
Lost Face

Anders als bei den anderen beiden Kurzfilm-Kategorien habe ich keinen Kandidaten selbst sehen können. Daher kann ich hier eigentlich nur raten und die Filme wählen, deren Trailer mich am meisten überzeugt haben. DeKalb Elementary ist für mich der Favorit, weil es der einzige Film war, den ich nach dem Trailer unbedingt sehen wollte. Watu Wote: All of Us stammt von der Hamburg Media School und hat bereits den Studenten-Oscar für den besten fiktionalen Film einer internationalen Filmschule gewonnen. Der zweite Platz ging an Facing Mecca aus der Schweiz, dem ich ebenfalls eine Oscar-Nominierung zutraue.

Danach folgen The Silent Child und Lost Face, die beide auf mich einen recht starken, atmosphärischen Eindruck machten. My Nephew Emmett ist mal wieder ein Film über rassistisch motiverte Gewalt und damit auch eine Überlegung wert. Außerdem wirkte Rise of a Star sehr hochwertig, wobei er mich nicht genug überzeugt hat, um eine Nominierung zu rechtfertigen. Alles in allem sind die Tipps in dieser Kategorie relativ willkürlich. Aber das waren ja auch nur die Kurzfilme. Bei den kommenden Vorhersagen habe ich ein bisschen mehr Argumente auf Lager.

Bild: Coco - Lebendiger als das Leben! © Walt Disney

Wer sind eure Favoriten bei den Oscar-Nominierungen 2018?

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