Oscar-Nominierungen 2018 - Meine Vorhersagen - Teil 2/3

Oscar-Nominierungen 2018 – Meine Vorhersagen – Teil 2/3

Die Oscar-Nominierungen 2018 werden bald bekanntgegeben. Hier findet ihr meine Prognose für die technischen und gestalterischen Kategorien. Unter anderem dabei sind Beste Kamera, Bestes Kostümdesign und Beste visuelle Effekte.

Bald ist es soweit. Am Dienstag, dem 23.01.2018 um 14:22 Uhr gibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Nominierungen für die 90. Oscar-Verleihung bekannt. Für mich wird es jetzt ernst, schließlich besteht das ganze Konzept meines Blogs darin, die Oscars vorherzusagen. In den vergangenen Tagen habe ich mich also intensiver als sonst mit den einzelnen Kategorien beschäftigt und bin nun bereit, meine finalen Tipps für die Oscar-Nominierungen 2018 abzugeben.

Gestern habe ich mich bereits den ersten Teil meiner Prognose veröffentlicht. Nun kümmere ich mich um die technischen und gestalterischen Kategorien. Unten findet ihr meine Vorhersagen für die einzelnen Wettbewerbe. Darunter folgt eine mal mehr, mal weniger ausführliche Begründung.

Oscar-Nominierungen 2018 – Meine Vorhersagen

Beste Kamera

Blade Runner 2049
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Dunkirk
Mudbound
Die dunkelste Stunde

Momentan glaube ich fest daran, dass Roger Deakins den Oscar holen wird. 13 Mal war er schon nominiert, blieb bisher jedoch ohne Auszeichnung. Mit Blade Runner 2049 zaubert er außerdem einen der visuell beeindruckendsten Filme des Jahres auf die Leinwand. Ebenfalls sicher dabei dürften Dan Laustsen mit Shape of Water und Hoyte Van Hoytema mit Dunkirk sein, die in der Awards-Saison beide durchgehend gut performt haben.

Ich denke zwar nicht, dass Rachel Morrison mit Mudbound den Oscar gewinnt, aber eine Nominierung halte ich für sehr wahrscheinlich. In einem Jahr, in dem eine Sexismus-Debatte Hollywood beherrscht, könnte sie zur ersten Frau überhaupt werden, die in dieser Kategorie nominiert wird. Platz Fünf ist wie so oft am schwersten zu vergeben. Ich sehe hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Bruno Delbonnel, der Die dunkelste Stunde bildgestalterisch veredelt hat, und Sayombhu Mukdeeprom, welcher in Call Me by Your Name mit sehr intimer Kameraführung begeisterte. Ich richte mich hier nach der American Society of Cinematographers (ASC), welche Die dunkelste Stunde und nicht Call Me by Your Name nominiert hat.

Bestes Szenenbild

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Blade Runner 2049
Dunkirk
Die dunkelste Stunde
Die Schöne und das Biest

Wie schon bei der Besten Kamera sind auch hier Shape of Water, Blade Runner 2049 und Dunkirk recht sichere Kandidaten. Alle drei haben Critics‘ Choice-, BAFTA- und Art Directors Guild-Nominierungen vorzuweisen. Dunkirk bietet erstaunliche Kriegskulissen, Blade Runner entführt uns in eine ebenso grelle, wie düstere Zukunft und Shape of Water überzeugt mit einem unterirdischen Labor mit Dieselpunk-Einflüssen.

Bei den nächsten beiden bin ich mir etwas unsicher. Die dunkelste Stunde fühlt sich durch detaillierte und authentische Sets wie eine Zeitreise an und Die Schöne und das Biest bietet eine märchenhafte Umsetzung der Zeichentrickvorlage. Beide hätten meiner Meinung nach eine Oscar-Nominierung verdient. Das Problem: Bei beiden Filmen waren Sarah Greenwood und Katie Spencer für das Szenenbild zuständig. Es kommt schon sehr selten vor, dass die selben Personen in einer Kategorie mehrfach nominiert werden, verboten ist es allerdings nicht.

Da die Konkurrenz mich aber nicht so wirklich vom Hocker haut, sich beide Filme stilistisch stark voneinander unterscheiden und die BAFTA-Wähler auch kein Problem damit hatten, Greenwood und Spencer zweimal zu nominieren, könnte diese gewagte Prognose durchaus eintreffen. Gut, ein bisschen Taktik ist auch dabei. Ich bin mir nämlich sehr sicher, dass zumindest einer von beiden Filmen es schafft und ich möchte nicht den falschen aus meiner Liste werfen.

Bestes Kostümdesign

Der seidene Faden
Die Schöne und das Biest
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Greatest Showman
Die dunkelste Stunde

Der seidene Faden ist ein Film über Modedesign, noch dazu ein ziemlich guter. Dass der bei Kostümdesignern gut ankommt, sollte klar sein. Jacqueline Durran hat es geschafft, die ikonischen Zeichentrickfiguren aus Die Schöne und das Biest von der handgezeichneten Welt der Vorlage orginalgetreu in die Realität zu übertragen. Das Kostümdesign von Shape of Water ist auf den ersten Blick eher unspektakulär. Allerdings ist es das einzige neben Der seidene Faden und Die Schöne und das Biest, welches es zu einer BAFTA- und zu einer Critics‘ Choice-Nominierung geschafft hat. Auch wenn ich es selbst nicht ganz verstehe, rechne ich daher mit einer Oscar-Nominierung.

Greatest Showman zieht im musicalinternen Kostüm-Vergleich mit Die Schöne und das Biest zwar etwas den Kürzeren, bietet aber auch genug Eigenständigkeit, um eine Nominierung zu rechtfertigen. Für Die dunkelste Stunde gilt dasselbe wie schon beim Szenenbild: Die Ausstattung selbst ist über jeden Zweifel erhaben und vermittelt das Gefühl, in die Geschichte einzutauchen. Allerdings war auch hier die selbe Person am Werk wie bei Die Schöne und das Biest, was wiederum dagegen spricht. Ich habe lange überlegt, ob ich nicht Mord im Orient-Express den Vorzug gebe. Hier tragen die Kostüme der einzelnen Verdächtigen sehr viel zu deren Charakterisierung bei, weshalb ich ihn zumindest erwähnt haben möchte. Trotzdem halte ich Die dunkelste Stunde für realistischer. Auch hier haben sich die BAFTA-Wähler für eine Nominierung entschieden, obwohl die selbe Person schon mit Die Schöne und das Biest dabei war.

Bestes Make-Up und beste Frisuren

Die dunkelste Stunde
I, Tonya
Wunder

Hier gibt es nur sieben Kandidaten zur Auswahl, die es auf die Oscar-Shortlist geschafft haben. Ich habe mich für die drei davon entschieden, die bei den Critics‘ Choice Awards eine Nominierung hatten. Gewonnen hat dort Die dunkelste Stunde, der auch schon zuvor mein Favorit in dieser Kategorie war. Wie Gary Oldman in Winston Churchill verwandelt wurde, ist einfach ganz große Klasse und sollte belohnt werden.

Bei I, Tonya durften sich die Maskenbildner und Friseusen stattdessen an Margot Robbie austoben und ihr eine Vielzahl unterschiedlicher Looks verpassen. In Wunder wird ein kleiner Junge künstlich hässlich gemacht, ohne dabei seine Menschlichkeit einzubüßen. Für mich haben diese drei die stärksten Chancen, auch wenn ich Guardians of the Galaxy Vol. 2 mit seinem außerirdischen Look ebenfalls nicht abschreiben möchte.

Bester Schnitt

Dunkirk
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Get Out
Baby Driver

Traditionell hängt der Beste Schnitt sehr stark mit dem Besten Film zusammen. Guter Schnitt ist in den meisten Fällen unsichtbar. Wenn ein Film in seiner Gesamtheit überzeugt, gilt also auch der Schnitt als gelungen. Manche Szenen erfordern allerdings mehr handwerkliches Geschick als andere. In rasanten Actionsequenzen sorgt der Cutter mit dem richtigen Bild zur richtigen Zeit für den nötigen Überblick. Bei Thrillern oder Horrorfilmen ist es eine große Kunst, die Spannung aufzubauen und immer mehr zuzuspitzen, bis sie sich im entscheidenden Moment entlädt. Ein weiteres Genre, welches punktgenaues Editing erfordert, ist die Komödie. Wie beim Erzählen eines Witzes, gilt auch hier: Timing ist alles. Wir suchen also nach actionreichen, spannenden oder humorvollen Werken, die bestenfalls auch als Bester Film nominiert werden.

Beginnen wir also mit Dunkirk. Editor Lee Smith hatte die ungewöhnliche Aufgabe drei unterschiedlich schnell verlaufende Zeitachsen ineinander zu verweben, ohne dass der Zuschauer das Zeitgefühl verliert. Ich persönlich finde nicht, dass ihm das besonders gut gelungen ist, doch die Mehrheit der Zuschauer ist anderer Meinung. Deshalb ist er für mich der Favorit in dieser Kategorie. Shape of Water scheint ebenfalls gesetzt zu sein. Der Fantasyfilm war bisher bei jedem wichtigen Award vertreten und nimmt sowieso jede Nominierung mit, die nur ansatzweise plausibel ist. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist momentan mein großer Favorit auf den Besten Film. Daher muss ich ihn quasi auch in diese Kategorie packen. Als schwarze Komödie, die viel auf pointierte Dialoge setzt, denke ich aber sowieso, dass der Schnitt oscarwürdig ist.

Get Out glänzt ebenfalls durch ein hervorragendes Timing. Der Schnitt ist hier maßgeblich für die unbequeme Gesamtstimmung des Films verantwortlich. Baby Driver ist als einziger Kandidat auf meiner Liste kein ernsthafter Anwärter auf den Besten Film, allerdings bietet er einige der besten Actionsequenzen des Jahres gepaart mit einigen humorvollen Intermezzos. Bei zwei Filmen habe ich mich wirklich schwer getan, sie nicht auszuwählen. Blade Runner 2049 hat bei anderen Wettbewerben in dieser Kategorie (Achtung: Wortwitz!) gut abgeschnitten. Allerdings glaube ich, dass Blade Runner eher die Kritiker als die Academy überzeugt hat. Auch I, Tonya, ein sehr verspielter Film, der beweist, dass guter Schnitt auch auffällig sein kann, ist für mich ein heißer Kandidat.

Bester Ton

Blade Runner 2049
Dunkirk
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Baby Driver
Star Wars: Die letzten Jedi

Blade Runner 2049 kreiert alleine durch seine Soundkulisse eine Sogwirkung, aus der man nur schwer wieder entkommt. Dunkirk liefert Kriegsgeballer zu Lande, zu Wasser und zu Luft und was Shape of Water angeht… Nunja, keine Ahnung. Ich hab den Film ja noch nicht gesehen. Doch ich habe bisher nur Gutes über das Sounddesign gehört und vertraue einfach mal darauf.

Wenn Baby Driver eine besonders herausragende Qualität hat, dann ist das die Tonspur, beziehungsweise die Art und Weise, wie der Ton das Geschehen auf der Bildebene in Szene setzt. Kein anderer Film der letzten Jahre legte den Fokus so sehr auf den Audiobereich und Baby Driver bietet in dieser Hinsicht auch keinen Anlass zur Kritik. Als letztes werfe ich Star Wars: Die letzen Jedi in den Topf. In dieser Kategorie ist auf die Weltraumsaga fast immer Verlass. Ähnlich wie bei Dunkirk gibt es auch hier ganz viel Kriegsgeballer, nur eben mit Lasern und im Weltraum. Wonder Woman halte ich auch für eine Option, allerdings sehe ich hier die Stärken eher im Tonschnitt.

Bester Tonschnitt

Blade Runner 2049
Dunkirk
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Baby Driver
Wonder Woman

Hier gilt fast dieselbe Argumentation wie beim Besten Ton. Zwar gibt es einen klaren Unterschied zwischen den beiden Kategorien, wie ich sie hier erklärt habe. Allerdings kommt im Ohr doch beides zusammen. Eine gute Tongestaltung kann sich eben auch doof anhören, wenn die Mischung nicht stimmt, und anders herum. Die Nominierungen sind in beiden Kategorien also meist recht ähnlich.

Blade Runner 2049 ist mit seinen wummernden Sci-Fi-Sounds auf jeden Fall dabei. Dunkirk sollte mit seinem bereits oben erwähnten Kriegsgeballer ebenfalls überzeugt haben. Bei Shape of Water gilt wieder, dass alle es toll finden und ich hier einfach denen vertraue, die den Film gesehen haben. Baby Driver bietet quietschende Reifen, röhrende Motoren, marodierende Sturmgewehre und eine Prise Tinnitus. Beste Voraussetzungen also auch hier. Normalerweise würde ich nun wieder Star Wars: Die letzten Jedi mit hinzugeben. Doch a) wäre es etwas langweilig, in beiden Kategorien die gleichen Filme zu nennen; b) kann ich mir nicht vorstellen, dass Wonder Woman komplett leer ausgeht; und c) wenn mich etwas an Wonder Woman überzeugt hat, dann die Tongestaltung. Oder wie es bei den Oscars heißt: Der Tonschnitt.

Ich persönlich war zwar auch von den Affengeräuschen in Planet der Affen: Survival extrem begeistert und würden wir wünschen, dass die Sounddesigner dafür etwas Beachtung finden. Für die Oscars wird es aber wohl eher nicht reichen.

Beste visuelle Effekte

Blade Runner 2049
Planet der Affen: Survival
Star Wars: Die letzten Jedi
Okja
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Blade Runner 2049 bietet visuelle Effekte aus der Zukunft. Meine Kinnlade konnte sich beim Anschauen gar nicht mehr hochfahren, so lebensecht wirkten die computergenerierten Kulissen. Planet der Affen: Survival sollte wie seine beiden Vorgänger ebenfalls dabei sein. Vor allem in Sachen Motion-Capturing ist diese Reihe absolut bahnbrechend. Star Wars: Die letzten Jedi hatte von all den Filmen auf der Shortlist wohl das meiste Budget für Effekte. Jedenfalls sieht er noch besser aus als sein Vorgänger und der hat bereits 245 Millionen Dollar gekostet und war damit für einen Oscar nominiert.

Bei den zwei verbleibenden Plätzen wird es etwas knifflig. Da stehen einige Filme zur Auswahl, die bei der Fachpresse nicht gut ankamen, obwohl sie sehr gute Effekte boten. Wer wirkliches Spektakel will, ist allerdings schon bei Star Wars bestens aufgehoben. Ich könnte mir vorstellen, dass es Dunkirk schafft. Doch der Einsatz von CGI ist dort sehr subtil und könnte deshalb vielleicht ignoriert werden. Eher gehe ich von Shape of Water aus, dessen computergenerierter Fischmensch enorm wichtig für die emotionale Wirkung des gesamten Films ist. Als letzten Kandidaten schnappe ich mir einen Außenseiter. Ich hätte nicht gedacht, dass es Okja soweit schafft und spekuliere nun darauf, dass die gleichen Leute, die ihn in die engere Auswahl halfen, auch für eine Nominierung sorgen.

Bild: Blade Runner 2049 © Sony Pictures

Wer sind eure Favoriten bei den Oscar-Nominierungen 2018?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.